Der Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus in Liers Anfang Oktober ist mehr als nur der Start eines Bauprojekts. Für die Feuerwehr im Ahrtal ist dieser Moment ein starkes Zeichen: Der Wiederaufbau geht sichtbar voran. Dort, wo die Flutkatastrophe 2021 enorme Schäden hinterlassen hat, entsteht nun sichtbar neue Infrastruktur für die Menschen, die sich Tag für Tag für die Sicherheit anderer einsetzen. Insgesamt werden in der Verbandsgemeinde Altenahr 14 Millionen Euro investiert, um Feuerwehren neu zu bauen oder bestehende Gebäude zu sanieren. Rund 1,7 Millionen Euro werden für neue Technik bereitgestellt.
Für die Feuerwehren der Verbandsgemeinde hat der Neubau in Liers eine besondere Bedeutung. Denn die Einsatzkräfte waren während der Flut nicht nur Helfer, sondern vielfach auch selbst Betroffene. Während sie Menschen retteten, Evakuierungen unterstützten und über Wochen im Dauereinsatz standen, verloren sie gleichzeitig Fahrzeuge, Ausrüstung, Feuerwehrhäuser und teilweise sogar ihr eigenes Zuhause. Trotzdem funktionierte die Hilfe. Die Feuerwehr war da, als sie gebraucht wurde.
Heute, fünf Jahre später, richtet sich der Blick einmal mehr nach vorne. Das zukünftige Feuerwehrhaus in Liers steht stellvertretend für diesen Weg. Es zeigt, dass aus den Erfahrungen der Flut konkrete Konsequenzen gezogen werden und dass die Feuerwehr die Unterstützung erhält, die sie für ihre wichtige Aufgabe braucht. Wie Bürgermeister Dominik Gieler betont, entsteht nicht einfach ein neues Gebäude. Es entsteht ein Ort für Sicherheit, Ehrenamt und Gemeinschaft.
Der Weg dorthin war notwendig. Die Schäden an der Feuerwehrinfrastruktur in der Verbandsgemeinde Altenahr waren erheblich. Insgesamt waren sieben Feuerwehrhäuser von der Flut betroffen. Vier davon wurden komplett zerstört oder sogar weggespült. Betroffen waren die Standorte in Liers, Rech, Mayschoß und Kreuzberg. Hinzu kamen erhebliche Schäden an Fahrzeugen, Ausrüstung und Schutzkleidung.
Der Wiederaufbau bietet jetzt jedoch auch die Chance, die Feuerwehr für die Zukunft noch moderner aufzustellen. Grundlage dafür ist ein umfassender Feuerwehrbedarfsplan, der nach der Flut erstellt wurde. Er untersuchte die Risiken in der Verbandsgemeinde und definiert, welche Anforderungen künftig an die Feuerwehr gestellt werden. Das Ergebnis: Die neuen Standorte werden leistungsfähiger, moderner und widerstandsfähiger. So erhalten die meisten neu geplanten Feuerwehrhäuser künftig zwei Stellplätze statt bislang nur einem. Auch die Fahrzeugausstattung und die Verteilung von Material werden an die heutigen Anforderungen angepasst.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem hochwasserangepassten Bauen. Die Erfahrungen aus der Flut fließen direkt in die Planungen ein. Technische Anlagen werden in obere Geschosse verlegt, Fahrzeughallen so gestaltet, dass sie im Extremfall überflutet werden können, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen. Darüber hinaus werden moderne Energiestandards berücksichtigt, etwa durch die Nutzung von Nahwärmenetzen oder Photovoltaikanlagen.
Während die Sanierungen in Dernau und Ahrbrück weitgehend abgeschlossen sind, befinden sich die Neubauten in Liers, Kreuzberg, Rech, Mayschoß und Altenahr in unterschiedlichen Planungs- und Umsetzungsphasen. Geplant ist, dass die Feuerwehrhäuser in Liers und Kreuzberg bis Anfang 2028 fertiggestellt sein sollen. Besonders umfangreich wird der Neubau in Altenahr, der künftig als zentrale Stützpunktfeuerwehr mit Werkstätten, Schulungsräumen und einer modernen Einsatzzentrale für die gesamte Verbandsgemeinde dienen soll.
Gleichzeitig wächst die Feuerwehr auch personell. Nach Angaben von Wehrleiter Florian Ulrich verzeichnet die Feuerwehr seit der Flut erfreulichen Zulauf. Neue Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich und stärken die rund 420 Einsatzkräfte der Verbandsgemeinde. Ein wichtiges Signal für die Zukunft, denn moderne Gebäude allein machen noch keine leistungsfähige Feuerwehr aus. Entscheidend sind die Menschen, die dahinterstehen.
Der Spatenstich in Liers markiert deshalb weit mehr als den Beginn eines Bauvorhabens. Er steht stellvertretend für den Wiederaufbau der Feuerwehren im gesamten Ahrtal. Für die Einsatzkräfte, die in den schwersten Stunden der Region geholfen haben. Für moderne und sichere Strukturen. Und für die Gewissheit, dass die Feuerwehr auch künftig stark aufgestellt sein wird, wenn Menschen ihre Hilfe brauchen.
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