Wie sieht die Sportlandschaft im Ahrtal nach der Flut aus? Diese Frage beschäftigt Vereine, Kommunen und Sportlerinnen und Sportler seit dem Sommer 2021. Schnell wurde deutlich: Es geht nicht nur darum, zerstörte Sportplätze, Hallen und Vereinsheime wieder aufzubauen. Denn der Wiederaufbau bietet die Chance, Sportstätten neu zu denken und stärker auf die Bedürfnisse der Region auszurichten. Das Motto: Gemeinsam sind wir stärker.
Ein zentrales Ergebnis der Sportstättenplanung lautet deshalb: Sport wird künftig stärker gemeinsam gedacht. Wo Vereine bereits zusammenarbeiten, Spielgemeinschaften bestehen oder mehrere Gemeinden ähnliche Bedarfe haben, sollen auch Sportanlagen stärker gemeinsam entwickelt und genutzt werden. Das spart nicht nur Fläche und Ressourcen. Es schafft auch moderne, langfristig tragfähige Angebote für Vereine, Schulen, Kitas und die Bevölkerung.
Dass dieser Weg funktioniert, zeigen mehrere Projekte im Ahrtal, beispielsweise das geplante Sportplatzprojekt von Ahrbrück, Kesseling und Kreuzberg. Statt mehrere Sportplätze unabhängig voneinander wiederaufzubauen, verfolgen die Ortsgemeinden einen gemeinsamen Ansatz. Ziel ist eine Sportanlage, die von mehreren Gemeinden genutzt wird. Das Sportstättenkonzept bewertet diesen Weg positiv, weil bestehende Spielgemeinschaften bereits heute über Ortsgrenzen hinweg aktiv sind und die Anlage dadurch langfristig ausgelastet werden kann. Gleichzeitig profitieren Schulen, Vereine und die Bevölkerung von einem zentralen Angebot.
Das zugrundliegende Sportstättenkonzept bewertet die Zusammenarbeit der Gemeinden ausdrücklich positiv. Denn: Die gemeinsame Nutzung einer Anlage schafft Synergien bei Bau und Betrieb, reduziert die Flächenversiegelung und ermöglicht eine nachhaltige Auslastung der Infrastruktur. Gleichzeitig werden die Bedarfe von Schulen, Vereinen und der Wohnbevölkerung berücksichtigt.
Besonders deutlich wird der Gemeinschaftsgedanke im Bereich der SG Ahrtal. Die Flut hat die Sportplätze in Schuld, Insul, Dümpelfeld und Hönningen schwer getroffen. Als Antwort darauf entstand die Idee eines gemeinsamen Kunstrasenplatzes in Insul. Die Gutachter bezeichnen dieses Vorhaben sogar als Vorbild für interkommunale Zusammenarbeit. Durch die Bündelung der Sportangebote können Flächen eingespart und gleichzeitig moderne Trainings- und Wettkampfbedingungen geschaffen werden.
Und genau hier kommt Hönningen ins Spiel. Der neue Naturrasenplatz wird nicht als Konkurrenz zu den gemeinsamen Lösungen verstanden, sondern als Teil eines abgestimmten Gesamtkonzepts. Während der Kunstrasenplatz in Insul eine intensive ganzjährige Nutzung ermöglicht, soll der Naturrasenplatz in Hönningen zusätzliche Kapazitäten schaffen und den Spiel- und Trainingsbetrieb der SG Ahrtal ergänzen. Darüber hinaus eröffnet er Nutzungsmöglichkeiten für weitere Angebote des SV Hönningen und für die benachbarte Kita.
Der Wiederaufbau des Sportplatzes in Hönningen zeigt damit beispielhaft, wie die Sportstättenentwicklung im Ahrtal heute auch gedacht wird: Nicht jede Gemeinde plant isoliert für sich, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Zentrale Sportanlagen und wohnortnahe Bewegungsangebote ergänzen sich. Kooperationen schaffen neue Möglichkeiten. Und die vorhandenen Mittel können gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen für die Menschen vor Ort entfalten.
In den Gemeinden Dernau, Mayschoß und Rech hat man sich für einen anderen Weg entschieden. Die Ortsgemeinde Dernau gibt den alten Standort des Sportplatzes in unmittelbarer Ahrnähe zugunsten eines hochwasserresilienten Standortes auf der Höhe auf. Damit wird nicht nur die Anlage selbst geschützt, sondern auch die unmittelbare Umgebung, denn mit der Verlegung wird die Möglichkeit geschaffen, die Gewässerwiederherstellung in diesem Bereich umzusetzen und mehr Fließquerschnitt zu ermöglichen. Am alten Standort verbleibt die Tennisanlage, die mit größerem Abstand zum Gewässer wieder aufgebaut werden konnte, sowie eine Freizeitanlage, die unterschiedliche Sport- und Betätigungsmöglichkeiten für Jung und Alt bietet. Der Kunstrasenplatz samt Umlaufbahn und Weitsprunganlage am neuen Standort auf der Höhe - teils mit Eigenmitteln finanziert - bekräftigt die Absicht der Ortsgemeinde, ein breites und bedürfnisorientiertes Angebot für die Vereine und den Schulsport zu etablieren.
Die Ortsgemeinde Mayschoß befindet sich aktuell in den Planungen für den Wiederaufbau des Sportplatzes. Der Sportplatz in der Ortsmitte soll hochwasserangepasst wieder aufgebaut werden und dabei gleichzeitig den Bedürfnissen der Gewässerentwicklung Rechnung tragen.