Das Rathaus in Altenahr: Ein Wahrzeichen in neuem Glanz

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Es wird 2026 eine der zentralen Wiederaufbaumaßnahmen in der Verbandsgemeinde: die Sanierung des Rathauses in Altenahr. Das denkmalgeschützte Gebäude hat nicht nur als Verwaltungssitz, sondern auch emotional einen hohen Wert für viele Menschen vor Ort. Nach langer Planung konnten die Bauarbeiten im Dezember 2025 endlich starten. Wir blicken darauf, was bisher geschah, wo die Herausforderungen liegen und welche Maßnahmen 2026 konkret anstehen.

Als Bürgermeister der Verbandsgemeinde weiß Dominik Gieler ganz genau, welchen Stellenwert die Sanierung des Rathauses in Altenahr hat: „Auf kein Wiederaufbau-Projekt werde ich so oft angesprochen.“ Das repräsentative Gebäude in der Ortsmitte von Altenahr prägt das Ortsbild und hat für die Bevölkerung kulturell, historisch und emotional eine hohe Bedeutung. Es wurde um 1900 als Hotel erbaut und dient der Verbandsgemeinde seit ihrer Gründung 1969 als Rathaus. Treppenhaus und Fassade stehen unter Denkmalschutz.

Im Juli 2021 haben die Wassermassen den Keller des alten Rathauses in der Ortsmitte überflutet, auch das Erdgeschoss stand eineinhalb Meter tief unter Wasser. Viele Freiwillige halfen anschließend dabei, das Gebäude zu entkernen. Beide Geschosse wurden stark beschädigt: Früh machte der prägnante Geruch klar, dass Heizöl in die Wände eingezogen war. Nach der Entkernung zeigten sich zudem weitere Schäden, unter anderem an Wasser- und Stromleitungen.

Alles neu hinter der alten Fassade

Als die Planungen für die Instandsetzung des Rathauses begannen, stand die Frage im Raum: Wie lässt sich das Gebäude nicht nur wiederherstellen, sondern auch für die Zukunft ertüchtigen? Denn bereits vor der Flut war das Rathaus an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Nach der Katastrophe beschäftigt die Verbandsgemeinde durch den Wiederaufbau nicht nur mehr Mitarbeitende als zuvor, künftig fällt im Rathaus auch noch ein ganzes Geschoss weg. Denn aus Gründen des Hochwasserschutzes ist das Kellergeschoss nicht mehr nutzbar, das bisher Technik und Archiv beherbergt hatte.

Zwar hat die Verbandsgemeinde auch alternative Standorte für ihren künftigen Hauptsitz geprüft. Dass das alte Rathaus wieder aufgebaut werden soll, stand jedoch immer fest. Um das Kapazitätsproblem zu lösen, erhält das Gesamtgebäude über die Instandsetzung hinaus nun eine grundlegende Umstrukturierung und Erweiterung. Die größten Veränderungen erfolgen im rückwärtigen Bereich mit einem neu gestalteten Anbau und der Verlegung des Ratssaals ins Erdgeschoss. Dies wertet den Innenhof auf und es ergeben sich neue Möglichkeiten für den barrierefreien Zugang. Straßenseitig wird das Gebäude aussehen wie zuvor.

Gute Planung ist alles – und kostet Zeit

Über vier Jahre nach der Flut scheint es für Außenstehende bei der Sanierung dieses Altenahrer Wahrzeichens jedoch kaum Fortschritte zu geben. Tatsächlich aber verging kaum eine Woche ohne Arbeit am Projekt – in Form von Besprechungen, Ortsterminen, Analysen, Gutachten, Anträgen oder Ausschreibungen.

Denn das Vorhaben ist hochkomplex und birgt zahlreiche Herausforderungen. Viel Zeit nahmen die Abstimmungen mit dem Land in Anspruch, um zu klären, welche Maßnahmen förderfähig sind. Da es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, musste die Verbandsgemeinde die Planung auch mit den Denkmalschutzbehörden abstimmen. Verschiedene Varianten wurden dabei erörtert, darunter ein Abriss mit identischem Neubau. Dieser kam aus Denkmalschutzgründen jedoch nicht infrage.

Somit muss die Verbandsgemeinde bei der Instandsetzung mit der vorhandenen Bausubstanz arbeiten. Damit die örtlichen Gegebenheiten von Beginn an in die Planungen einfließen können, sind vorab zahlreiche Untersuchungen nötig. Experten erstellten unter anderem ein Schadstoffgutachten, führten geologische Untersuchungen durch und erbrachten einen Schimmelnachweis. Um exakte Ausführungspläne zu erstellen, wurde das gesamte Gebäude zudem mithilfe von Lasertechnik ausgemessen. Die einzelnen Schritte hängen oft voneinander ab und konnten deshalb nicht immer parallel erfolgen. Ein Beispiel: Da das Rathaus ein öffentliches Gebäude ist, muss ein gewisser Teil der Dachfläche mit Photovoltaik-Anlagen versehen werden. Um das Dach zu analysieren, hat die Verbandsgemeinde einen Holzschutzgutachter eingeschaltet. Dieser brauchte vorab detaillierte Pläne zu Position und Dimension der Dachbalken. Grundlage dafür wiederum war der Laserscan. Um diesen durchzuführen, musste die Entkernung abgeschlossen sein.

Somit war bereits die Phase der Analysen und der Planung sehr zeitaufwendig. Das Gebäude mag an vielen Stellen noch so aussehen wie kurz nach der Flut – doch hinter den Kulissen wurden die Grundlagen dafür geschaffen, um das Rathaus zukunftsfähig wieder aufzubauen. In Kürze kann die Verbandsgemeinde den Bauantrag für den Umbau einreichen.

Der Aufwand lohnt sich

Ziel ist, dass die rund 65 Mitarbeitenden der Verbandsgemeinde im Jahr 2028 aus ihrer Notunterkunft im ehemaligen Hotel am Rossberg zurück ins Rathaus ziehen können. Doch auch weiterhin ist Geduld gefragt: Als öffentlicher Auftraggeber muss die Verbandsgemeinde alle Leistungen über eine Ausschreibung vergeben. Die kann für ein Gewerk durchaus drei bis vier Monate in Anspruch nehmen. Überhaupt ist es nicht immer leicht, Auftragnehmer zu finden.

Das zeigt die Heizölsanierung, die bereits 2025 hätte starten sollen. Doch keine Firma bewarb sich auf die Ausschreibung. Ein Grund mag das komplizierte Vorhaben sein: Die Sanierung findet im „Pilgerschrittverfahren“ statt, bei dem die Kellergeschossdecke sowie die Außenwände des Erdgeschosses schrittweise zurückgebaut und ausgetauscht werden. Zudem sorgt das beengte Umfeld des Rathauses auch für logistische Herausforderungen. Nach einer bestimmten Frist durfte die Verbandsgemeinde gezielt auf Firmen zugehen, wodurch sie schließlich einen Auftragnehmer fand. Mit Verzögerung konnte die Heizölsanierung Anfang 2026 beginnen – sie wird voraussichtlich ein Jahr in Anspruch nehmen. Die Um- und Erweiterungsbauten am Rathaus erfolgen im nächsten Schritt.

Nach Abschluss der Arbeiten wird das Rathaus nach außen in altem Glanz erstrahlen, während es innen einen modernen und zukunftsfähigen Verwaltungssitz beherbergt. Luftwärmepumpen und Photovoltaik stellen die nachhaltige Wärme- und Energieversorgung sicher und reduzieren die Nutzungskosten. Auch thermisch wird das Rathaus mit einer neuen Dämmung aus natürlichen Materialien auf dem aktuellen Stand sein.

Neben der Heizölsanierung läuft aktuell bereits die Erneuerung der Anschlüsse für die Balkone, weil deren schlechter Zustand keinen Aufschub erlaubt. Die historischen Geländer werden eingelagert und restauriert, sodass sie ihren Platz später wieder einnehmen können. Auch sonst zeigen sich in der Bausubstanz zahlreiche altersbedingte Schadenspunkte, die es im Zuge der Sanierung instand zu setzen gilt. Schadstoffe müssen ebenfalls aus dem Gebäude entfernt werden. So hat das Holzschutzgutachten ergeben, dass der Dachstuhl durch alte Lasur kontaminiert ist und ersetzt werden muss. Eine weitere Herausforderung ist die Statik: Die schwere Haustechnik muss künftig oberhalb des Erdgeschosses untergebracht werden, wofür das Gebäude jedoch nie ausgelegt war.

Es gibt also viel zu berücksichtigen und eine Menge zu tun. Aber Dominik Gieler ist sicher, dass sich der Aufwand lohnt: „Wir nutzen jetzt die Chance, alle Problempunkte gemeinsam anzugehen, sodass wir unser saniertes Rathaus möglichst lang und nachhaltig nutzen können.“

Mehr zu den Planungen und zum aktuellen Sachstand beim Rathaus gibt es in der 7. Folge unseres Podcasts. Neben Dominik Gieler ist dort der zuständige Architekt Liam Neufeld zu Gast.