Wiederaufbau ist auch Frauensache

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Der Wiederaufbau von Schulen und Kindertagesstätten im Ahrtal ist weit mehr als ein reines Bauprojekt. Gerade nach den Erfahrungen der Flut gehe es darum, diese Orte neu zu denken – moderner, sicherer und zugleich zukunftsfähig.

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Der Wiederaufbau von Schulen und Kindertagesstätten im Ahrtal ist weit mehr als ein reines Bauprojekt. „Schulen und Kitas sind nicht nur Gebäude – sie sind Orte, an denen Vertrauen wächst, Kinder ihre Heimat erleben und Gemeinschaft entsteht“, betonte Dominik Gieler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr, zu Beginn einer digitalen Informationsveranstaltung am 10. Juni 2026. Die Verbandsgemeinde Altenahr informierte Interessierte gemeinsam mit Fachleuten der Projektsteuerer Julius Berger International und Zukunft Mittelahr AöR über den aktuellen Stand und die nächsten Schritte beim Wiederaufbau bei Schulen und Kitas. Gerade nach den Erfahrungen der Flut gehe es darum, diese Orte neu zu denken – moderner, sicherer und zugleich zukunftsfähig.

Dabei ist der Blick klar nach vorn gerichtet: Der Wiederaufbau soll nicht nur ersetzen, was verloren wurde, sondern gezielt bessere Bedingungen für Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte schaffen.

 

Mehr Platz und bessere Bedingungen: Die neue Kita in Dernau

Ein Beispiel für diesen Ansatz ist die Kita St. Johannes in Dernau. Das ursprüngliche Gebäude musste nach der Flut vollständig zurückgebaut werden – nicht zuletzt, weil es selbst nach einer Sanierung keine Betriebserlaubnis mehr erhalten hätte.

Der Neubau geht nun bewusst einen Schritt weiter: Statt der bisherigen drei Gruppen entstehen vier Gruppen mit Platz für rund 80 Kinder. Besonders im U3-Bereich wird deutlich erweitert. Ziel ist es, den Bedarf im Ort langfristig zu decken – Wartelisten sollen künftig vermieden werden.

Auch in der Gestaltung zeigt sich der Anspruch, aus der Vergangenheit zu lernen. So werden die Gruppenräume künftig nicht mehr nach Süden, sondern nach Westen ausgerichtet. Damit reagieren die Planenden auf die hohen Temperaturen im alten Gebäude. Ergänzt wird dies durch natürliche Verschattung sowie ein großzügiges Außengelände mit Spiel- und Bewegungsflächen. Geplant ist die Fertigstellung im Oktober 2026.

 

Sanierung mit Perspektive: Kita in Hönningen

Anders als in Dernau wird die Kita Wibbelstätz in Hönningen nicht neu gebaut, sondern umfassend saniert und erweitert. Der Standort bleibt bestehen – trotz seiner Lage in der Nähe der Ahr. Im Zuge der Arbeiten entstehen zusätzliche Flächen, ein erweiterter Mehrzweckraum sowie neue Funktionsbereiche. Gleichzeitig wird der Kindergarten auf zukünftige Anforderungen ausgerichtet: Barrierefreiheit, Inklusion und moderne Betreuungsangebote spielen eine zentrale Rolle.

Besonders hervorzuheben ist das große Außengelände mit rund 2.000 Quadratmetern Fläche, das künftig nicht nur neu gestaltet, sondern auch mit zusätzlichen Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten ausgestattet wird. Ergänzend werden Maßnahmen umgesetzt, um das Gelände besser gegen Hochwasser zu schützen.

 

Schulkomplex Altenburg: Vom Bestand zur modernen Lernumgebung

Im Schulzentrum Altenburg werden mehrere Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt. Die Realschule plus wird saniert, während die beschädigte Sporthalle komplett neu entsteht.

Die Schule aus den 1970er Jahren wird technisch und energetisch grundlegend erneuert. Dazu gehören unter anderem neue Fassaden, moderne Lüftungssysteme sowie eine zeitgemäße Innenausstattung mit flexiblen Möbeln und digitalen Tafeln. Ziel ist es, die bestehende Struktur zu erhalten, gleichzeitig aber neue Formen des Lernens zu ermöglichen.

Die neue Sporthalle wird als Dreifeldhalle gebaut und kann sowohl von der Schule als auch von Vereinen und für Veranstaltungen genutzt werden. Neben der sportlichen Ausstattung steht hier vor allem die Anpassung an Hochwassergefahren im Fokus: Technikbereiche werden in höhere Geschosse verlagert, und bauliche Schutzmaßnahmen sollen Schäden künftig vermeiden.

Geplante Fertigstellung für Schule und Sporthalle ist Ende 2027.

 

Rückkehr an den Standort: Grundschule Altenburg

Auch die Grundschule Altenburg wird umfassend saniert. Nach der Flut musste das Gebäude weitgehend entkernt werden, da sowohl Erdgeschoss als auch Teile des Obergeschosses beschädigt waren. Im Zuge der Sanierung wird die komplette Haustechnik erneuert. Zusätzlich entsteht ein neuer Differenzierungsraum, der flexiblere Unterrichtsformen ermöglicht. Die Schule bleibt ihrem bisherigen pädagogischen Konzept treu, wird aber technisch und funktional deutlich modernisiert. Die bauliche Fertigstellung ist für Ende 2026 vorgesehen, sodass die Schülerinnen und Schüler nach den Osterferien 2027(?) voraussichtlich wieder vor Ort unterrichtet werden können.

 

Neubeginn in Dernau: Eine Schule nach neuem Konzept

In Dernau geht die Entwicklung noch einen Schritt weiter: Hier entsteht eine komplett neue Grundschule. Der Neubau folgt dem sogenannten Cluster-Prinzip. Anders als bei klassischen Flurschulen stehen hier offene Lernlandschaften im Mittelpunkt, die flexible Unterrichtsformen ermöglichen. Kinder können in unterschiedlichen Gruppierungen arbeiten, Räume wechseln und sich eigenständig organisieren.

Auch baulich wird auf den Hochwasserschutz reagiert: Teile des Gebäudes werden aufgeständert, sodass darunter zusätzliche Aufenthaltsflächen entstehen. Gleichzeitig wird so verhindert, dass wichtige Bereiche bei einem erneuten Hochwasser beschädigt werden.

Der Baustart ist für 2027 vorgesehen, mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren – vorbehaltlich der noch laufenden Genehmigungsverfahren.

 

Wiederaufbau als Chance

Die Projekte zeigen exemplarisch, wie der Wiederaufbau im Ahrtal gedacht wird: nicht als Rückkehr zum alten Zustand, sondern als bewusste Weiterentwicklung. Moderne Lernkonzepte, barrierefreie Gebäude, hochwertige Außenanlagen und ein konsequenter Hochwasserschutz sind zentrale Bestandteile aller Maßnahmen. Gleichzeitig bleibt der Fokus klar: Es geht um Orte, an denen Kinder lernen, spielen und sich sicher entwickeln können.

Oder, wie es der Bürgermeister formulierte: Jeder neu geplante Klassenraum und jeder neu gestaltete Außenbereich ist ein Zeichen für die Zukunft der Verbandsgemeinde – und für das Vertrauen in einen nachhaltigen Neubeginn.